Allgemein

Raum

„Eine lebendige politische Kultur braucht Bibliotheken, öffentliche Schulen, Nachbarschaftsinitiativen (…) und Gewerkschaften, damit die Menschen sich treffen können und Probleme bereden können. Die neoliberale Demokratie, die den Markt über alles stellt, lässt diesen Bereich links liegen. Sie bringt keine Bürger sondern Konsumenten hervor, keine Gemeinschaften, sondern Einkaufszentren. So entsteht schließlich eine atomisierte Gesellschaft gleichgültiger Individuen die sich demoralisiert und ohnmächtig fühlen.“

Noam Chomsky in Profit over People

Es geht also darum, sich diesen Bereich wieder anzueignen. Den öffentlichen Raum. Was bedeutet öffentlicher Raum? Per Definition steht Raum für nutzbaren Platz. Nutzbar für wen, für was? Die Frage lässt sich mit einigen Gegenfragen recht gut beantworten. Wieviel Fläche gibt es in der Stadt die nutzbar ist, ohne etwas konsumieren zu müssen? Wieviele der oben genannten Institutionen wie Bibliotheken gibt es? Gibt es überhaupt öffentliche Gebäude in denen man sich aufhalten kann, ohne etwas kaufen zu müssen? Darf auf der Straße gegessen und gesessen werden? Diese Fragen scheinen absurd, dennoch gibt es bereits in manchen Städten solche Verbote und man erkennt, dass man in vielen Bereichen als Mensch nicht willkommen zu sein scheint, als Konsument aber sehr wohl.

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Eine Botschaft, welche auch für andere Städte gilt. Städter*innen, werdet anspruchsvoller!

Ich erinnere mich an meinen ersten Parisurlaub und daran, dass es viel regnete. Meine Freundin und ich saßen viel in Cafés, bei Cappuccino und Tee, aber nach einigen Tagen wurde uns das zu teuer.  Der einzige Ort an dem wir bleiben konnten, ohne unseren gesamten Ersparnisse zu vertrinken, war ein Buchladen.
Ich weiß nicht genau, warum solche Orte so wenig existieren. Vermutlich, weil man mit ihnen kein Geld verdienen kann und weil man Angst hat, sie könnten von Obdachlosen genutzt werden. Aber ich glaube, dass sie sehr wichtig für unsere Städte sind. Denn nur in diesen Räumen können wir uns austauschen und über die Dinge reden die uns wichtig sind. Die von Chomsky erwähnte Ohnmacht, welche ich in meiner Umgebung und bei mir selbst häufig wahrnehme, entsteht ja nur durch diese Isolation.

Dabei gibt es, zumindest in vielen westlichen Städten genug Platz. Er wird nur falsch genutzt. Braucht eine Stadt wirklich mehrere Starbucks-Filialen in der Innenstadt? Wie würden öffentliche Parkanlagen aussehen, wenn die Anwohner mitentscheiden könnten, wie diese aussehen sollen? Man kann das Thema aber auch von einer anderen Seite aus betrachten: Wieviel Fläche wird ein einer Stadt alleine für Werbung verschwendet die ihr selbst gar nichts nutzt? Überall, an Bushäuschen, Bahnhöfen, renovierten Gebäuden, sogar auf Treppenstufen wird in vielen deutschen Städten geworben. Aus diesem Grund haben Städte, wie zum Beispiel Sao Paulo das Werben sogar ganz verboten.Was entsteht ist Platz. Platz der vielseitig nutzbar ist. Auf welche Art? Das müssen wohl die Menschen vor Ort entscheiden. Aber vielleicht ist es auch mal ganz schön, einfach nur das Gebäude hinter so viel gesehenen Benetton-Werbung zu sehen.

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