Stadtkultur

Botanische Gärten

Warum Sie wichtig sind und warum es einfach schön ist, in Ihnen Pflanzen anzusehen, deren lateinische Namen man auch nach nach Verlassen des Gartens nicht kennt:

Ich habe mir in den letzten Wochen zwei Botanische Gärten angesehen. Einmal den in Kopenhagen, ein wunderschönes Gewächshaus mit einer wirklich sehenswerten Kuppel und zweitens den Universitätsgarten in Padua, der ältesten Botanische Garten der Welt.

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Botanischer Garten Kopenhagen

Ersterer hat den Vorteil, dass er nichts kostet. Desweiteren liegt er in einem Park. Man kann also auch mal in der Mittagspause vorbeischauen, oder einfach dort picknicken. Besonders schön finde ich auch, dass man in der Mitte des Gewächshauses auf einer Wendeltreppe ein Stockwerk höher gelangen kann.

Dort geht man auf einem schmalen Steg einmal um die Kuppel herum und hat dort einen tollen Blick auf die Pflanzen. Spätestens dann, wird einem aber dank der hohen Luftfeuchtigkeit sehr warm sein und man ist froh, wieder nach unten gehen zu können.

Der zweite Garten in Padua kostet Eintritt. Fünf Euro für Menschen bis 24, ab dann kostet es zehn Euro. Aber, und das muss gesagt werden: der Eintritt lohnt sich. Anfangs geht man zwischen alten Bäumen auf den eigentlichen Garten zu. Dieser ist unterteilt in vier kleinere Gärten. Inmitten der Pflanzen stehen zwei sehr alte Bäume. Ein Biloba Ginko, gepflanzt 1750 und eine der ältesten Magnolien Europas, gepflanzt circa 1786. Der Garten selbst, wurde 1745 gegründet, als Teil der Universität, damit der Anbau von Heilpflanzen gewährleistet war und den StudentInnen genügend Anschauungsmaterial zur Verfügung stand.

Seit 2014 verfügt der Garten auch über ein Gewächshaus der Biodiversität. Dieses ist in Klimazonen unterteilt: die tropische Zone, die sub-tropische, die gemäßigte , die mediterrane und die trockene Zone.

Aber was bedeutet Biodiversität und warum ist sie so wichtig, dass die Stadt ihr ein riesiges Gewächshaus widmet?

Biodiversität meint Biologische Vielfalt und umfasst drei Bereiche, die eng zusammenhängen. Die Vielfalt der Ökosysteme ( verschiedene Lebensgemeinschaften, Lebensräume und Landschaften), die Vielfalt der Arten und die genetische Vielfalt innerhalb der Arten (Quelle: Greenpeace). Für die Vielfalt der Ökosysteme kann ein Botanischer Garten nicht sonderlich viel tun, für die Vielfalt der Arten und die Diversität innerhalb ihrer um so mehr. Unser Planet verliert jedes Jahr 30.000 lebende Arten, das bedeutet drei jede Stunde(Quelle: Aushang Botanischer Garten Padua). Ein Grund dafür ist die konventionelle Landwirtschaft und die verschwenderische Nutzung von Pestiziden. Ein weiterer Unwissenheit und der Glaube, dass es nicht weiter schlimm sei, stürbe die ein – oder andere exotische Pflanze aus.

Auf einem Aushang im Garten der Biodiversität Padua steht folgendes: „Wir sollten bedenken, dass Biodiversität das Ergebnis von drei-und-halb Millionen Jahren Experimentieren ist, dass es der Garant für unser Überleben und dass es nicht unser Besitz ist, mit dem wir tun und lassen können, was wir wollen.“ Sie sichert unser Überleben, weil unsere Nahrungssicherheit nicht nur von einigen wenigen Sorten abhängig sein darf. Unsere Bedürfnisse ändern sich. Kulturpflanzen erkranken. In einem solchen Fall ist es sehr wichtig, Zugriff auf die ursprüngliche, wilde Sorte zu haben. Denn sie hat häufig Eigenschaften, welche vor Krankheiten schützen. Existiert die Pflanze noch, lassen sich diese Eigenschaften in die Kulturpflanze einkreuzen. Tut sie es nicht, ist die Sorte für immer verloren. Und damit das Leben vieler Menschen in Gefahr.

Neben der Sensibilisierung für Biodiversität verbessert ein Botanischer Garten auch das Stadtbild. Vögel und Insekten können sich niederlassen, die Luftqualität wird verbessert und der Mensch kann Zeit im Grünen verbringen.

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Eine Biene trinkt am Brunnen des Botanischen Gartens Padua

Ich selbst bin nicht wirklich botanisch begeistert. Die einzige Pflanze deren lateinischen Namen ich kenne ist Calendula officinalis.

Aber ich genieße es, zwischen all den Gewächsen, Blumen und Kräutern herumzulaufen und gleichzeitig zu wissen, dass ich mitten in der Stadt bin. Zu wissen, dass das eben auch Stadt sein kann. Und im Gegensatz zu einem Sealife-Center muss ich mir hier auch keine Sorgen machen, dass eine der Pflanzen schlecht behandelt wird.

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