Der tägliche Wahnsinn

Warum „zukunftsfähig“ ungemein sexy ist…

Als erstes einmal: Ich mag das Wort „nachhaltig“ nicht. Was heißt das überhaupt? Nachhaltig? Das kann ja irgendwie alles sein. Das englische „sustainable“ kommt meiner Meinung nach genauso farblos daher. Nach dem Duden heißt das so viel wie: „längere Zeit anhaltende Wirkung“, eine Eigenschaft die viele Dinge haben. Plastik zum Beispiel, oder ein alt zu schlechter Eindruck. Ähnlich verhält es sich mit dem Wort „grün“. Das klingt ein bisschen so, als könnte man die Dinge einfach anmalen. Oder so, als würde es ausreichen, bei H&M einfach nur noch die Kleidungsstücke mit dem grünen Schildchen zu kaufen.

Außerdem klingen diese Wörter sehr häufig verstaubt und irgendwie nach Birkenstockklischee (Obwohl die Schuhe jetzt auch wieder in sind ).

Die eigentliche Bedeutung des Wortes meint ja: eine nachhaltige Veränderung zu erzielen. Und das brauchen wir unbedingt. Deswegen sind die folgenden Worte hilfreicher, um zu beschreiben, was ich meine: zukunftsfähig, resilient, widerstandsfähig, enkeltauglich. Da kann man sich etwas drunter vorstellen, oder? Außer vielleicht bei dem Wort resilient. Aber das bedeutet im Grunde auch nur widerstandsfähig.

All diese Worte implizieren Stabilität. Oder eben Widerstandsfähigkeit, die gebraucht wird, wenn das Klima sich zum Beispiel verändert. Und sie implizieren große Umbrüche. Die weder mit ein bisschen bio und grün hier und da, noch nur von einer Sorte Mensch umgesetzt werden können. Ich will mich an dieser Stelle auf keinen Fall über die Menschen lustig machen, die Jute- statt Plastikbeutel benutzen, oder ihr Deodorant selbst herstellen. Ich finde das großartig und glaube, das ist der richtige Schritt. Aber es reicht nicht.

Wie ich in meinem Artikel Climate and Urban Change schon beschrieben habe, sprechen wir, wenn wir die 2° Celsius Grenze nicht überschreiten wollen, von CO2- Einsparungen von bis zu 120 Prozent. Das wird viel Arbeit, sehr viel Arbeit. Wenn wir überhaupt soweit kommen. Aber nehmen wir an, wir erreichen den Punkt, dass wir in unseren Städten mehr CO2 einsparen als wir erzeugen. Wer sagt, dass wir schlechter leben werden? Wer sagt, dass unsere Lebensqualität abnehmen, wir hässlicher und unzufriedener werden?

Natürlich würde so eine Anpassung enormen Einfluss auf unser gesamtes Leben haben. Wir müssten eventuell unsere Arbeit wechseln, Gewohnheiten und Einstellungen ändern. Aber kein Mensch leidet darunter, wenn sein Wohnort näher an seinem Arbeitsplatz ist, oder wenn seine Gesundheit nicht mehr gefährdet ist, weil in der Stadt endlich wieder Luft zum Atmen ist.

Und ja. Es würde bedeuten, dass wir weniger konsumieren können, dass vielleicht nicht alles immer verfügbar ist. Dass wir nicht mal eben in den Urlaub fliegen, oder die gesamte Garderobe ändern können, nur weil uns gerade eingefallen ist, dass wir die Farbe blau doch nicht so mögen.

Aber wir müssen endlich beginnen, Qualität von Quantität zu unterscheiden. Nur weil wir weniger haben, heißt das noch lange nicht, dass es uns dadurch schlechter gehen wird. Wenn unsere Lebensqualität  steigt, brauchen wir auch weniger Material, um uns bei Laune zu halten (Urlaube auf den Malediven, Teleshopping, immer wieder neue Konsumgüter).

Das Einzige, bei dem wir sicher sein können, dass es uns langfristig schaden wird, ist das Fehlen von Klimaanpassung. Wie sollen wir ein gutes Leben führen, wenn wir wissen, dass Städte in Gefahr sind überflutet zu werden, immer mehr Menschen auf der Flucht sein müssen, weil Klimaveränderungen ihre Heimat zerstören und die Luftverschmutzung uns die Luft zum atmen raubt?

So let`s tell another story… Klimaanpassung und zukunftsfähige Städte sind verdammt sexy. Weil sie uns erst die Möglichkeit geben, über Sachen wie Sexyness überhaupt nachzudenken. Und sein wir ehrlich. Seinen 70 Kilo schweren Körper in einem Gefährt, dass circa 1400 Kilo wiegt durch die Stadt zu bringen, hat auch noch keinen attraktiver gemacht.

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